Die Geburtsstunde  
15. Oktober 1930. Der Zürcher Schlittschuh Club erblickt das Licht der Sportwelt. Der zuvor den Eiskunstläufern reservierte Verein avanciert in dieser geschichtsträchtigen Stunde zu einer der ersten Immigrantenbewegungen der Stadt: Abgesehen vom späteren Bob-Weltmeister Fritz Feierabend aus Engelberg kommen seine Mitglieder ausnahmslos aus Graubünden. Weil niemand ins Tor stehen will, wird Landhockey-Goalie Gusti Wiget zu einem Branchenwechsel überredet. Wiget muss seinen Entscheid nicht bereuen. Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten und Niederlagen in Davos und Mailand lehrt der ZSC den Gegnern das Fürchten. Auf der neuen Kunsteisbahn Dolder bezwingt er den Grasshoppers-Club 14:1. 

Die ersten Schritte auf Kunsteis 

Wie die Seegfrörni von 1929 zum Bau der Dolder-Sportanlage anregte und das Schweizer Eishockey in eine neue Ära führte. Im Dezember 1930 begann eine Neuzeit im Schweizer Eishockey. Was im benachbarten Ausland längst gang und gäbe war, wurde auch in der Schweiz Realität: Kunsteis. Kunsteisbahnen in sogenannten Eispalästen wurden schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut; doch lechzten die Eisläufer (damals) nach frischer Luft und verlangten Open-Air-Arenen. Die erste entstand 1909 in Wien, derweil sich die Schweizer Schlittschuhläufer-Gilde noch jahrzehntelang mit dem unzuverlässigen Natureis begnügen musste. Die künftige Zürcher Eishockey-Elite «knebelte» auf vereisten Schulhausplätzen oder auf dem Resiweiher, dem EWZ-Wasserreservoir beim Rigiblick. Im Winter 1928/29 waren die Buben indes temporär nicht mehr auf den kleinen Resiweiher angewiesen. Sie dislozierten mit ihren Brüdern, Schwestern, Eltern, Tanten und Onkeln auf den wesentlich grösseren Zürichsee. Die Seegfrörni 1929 bescherte Zürich einen kolossalen Eislauf- Boom. Als das Eis den Kampf gegen Föhn und Sonne zu verlieren begann, nutzte der junge Zürcher Jurist und Schweizer Eislaufmeister Georg Gautschi die Gunst der Stunde und forderte in einem Zeitungsartikel keck den Bau einer Kunsteisbahn. NZZ-Abonnent Carl Wehrli-Thielen, der Präsident der Dolderbahn AG, las Gautschis Zeilen und schaltete schnell. (Den VCS gab's damals noch nicht.) Die Leute vom Dolder gründeten am 20. August 1930 eine Eisbahn-Genossenschaft und weihten bereits im darauffolgenden Dezember die erste Schweizer Kunsteisbahn ein. Sie war und ist noch heute die grösste zusammenhängende Kunsteisfläche unseres Landes, 6000 Quadratmeter, was weit mehr als drei Eishockeyfeldern entspricht. Der sportfreundliche Dolder-Direktor Aldo Streuli organisierte eine Schülermeisterschaft, aus der praktisch alle Zürcher Eishockey- Internationalen jener Generation hervorgingen. Doch auch die «Grossen» tummelten sich Eishockey spielend auf dem Dolder. Drei Vereine buhlten damals um die Stadtzürcher Vorherrschaft: der Akademiker HC, die Grasshoppers und der am 13. Oktober 1930 gegründete ZSC. Der Davoser und spätere Dietiker Zahnarzt Fritz Kraatz, 1926 mit der Schweizer Nationalmannschaft Europameister und von 1951 bis 1954 Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF), lobte die jüngste Zürcher Sehenswürdigkeit: «Die Dolder-Eisbahn ist sehr, sehr vornehm. So vornehm, dass sie das plebejische Gewimmel der Stadt völlig meidet. Hoch oben auf dem Berg thront sie. Gross, prächtig. Wenn es geschneit hat, ein Wintermärchen, unglaublich schön. Jetzt könnt ihr Davoser einpacken. In ein bis zwei Jahren übertrumpfen wir euch alle», sagte der Präsident des Akademiker HC zu uns, als wir eines der ersten Spiele auf dem Dolder austrugen.